Sitting All Day Is Killing You — Here’s What to Do About It | Manoush Zomorodi | TED
TED
0:00 Übersetzung: Andrea Hielscher Lektorat: FAE Weiden
0:03 Klappen Sie manchmal am Ende eines langen Tages den Laptop zu
0:07 und haben das Gefühl, es gerade noch zur Couch zu schaffen,
0:12 auf dem Handy herumzuscrollen oder fernzusehen?
0:17 Oder vielleicht beides gleichzeitig?
0:20 Ja.
0:21 Während der Pandemie war das bei mir so
0:24 und ich wusste nicht, warum.
0:25 Ich fühlte mich sicher, war gesund –
0:27 warum wollte ich den Laptop nicht zuklappen
0:30 und im Wohnzimmer tanzen?
0:31 Wo war all meine Energie geblieben?
0:34 Ich bin Journalistin.
0:36 Seit zehn Jahren versuche ich zu verstehen,
0:39 wie uns technische Gewohnheiten verändern.
0:43 Deshalb wollte ich herausfinden,
0:45 warum es so ermüdend ist, vor einem Bildschirm zu sitzen.
0:50 Wir haben doch alle von den mentalen Auswirkungen gehört, oder?
0:54 Aber was ist mit der körperlichen Gesundheit?
0:57 Ich begriff schnell: Der Blick auf den Bildschirm
1:00 hat nicht nur unseren Alltag verändert,
1:03 sondern auch unseren Körper.
1:05 Laut Forschern der Johns-Hopkins-Universität
1:08 bewegt sich ein 19-Jähriger pro Tag
1:10 im Schnitt so viel wie ein 60-Jähriger.
1:13 In den letzten 20 Jahren
1:14 hat sich die Rate von Typ-2-Diabetes bei jungen Menschen verdoppelt.
1:18 Drei von vier Erwachsenen in den USA haben eine chronische Krankheit.
1:22 Viele davon sind vermeidbar.
1:25 Mindestens eine.
1:27 Laut WHO ist das ein globales Problem:
1:30 Dieser Lebensstil werde bis zum Ende des Jahrzehnts,
1:33 also ziemlich bald,
1:35 vermutlich zu 500 Millionen vermeidbaren Neuerkrankungen führen
1:39 wie Herzkrankheiten, Adipositas und Diabetes,
1:42 was die Regierungen jährlich 27 Milliarden Dollar kostet.
1:46 Tippen, Wischen, Scrollen, Sitzen.
1:51 Der Rhythmus des modernen Lebens.
1:54 Wie ist das bei Ihnen?
1:55 Ich kann das Handy nicht einfach wegwerfen.
1:58 Ich kann mich nicht ausklinken.
2:00 Wie können wir also online bleiben,
2:03 ohne langsam unsere Gesundheit zu ruinieren?
2:06 Diese Frage ging mir durch den Kopf,
2:08 als ich diesen Typ traf.
2:10 Keith Diaz ist Physiologe am Columbia University Medical Center
2:14 und widmet seine Karriere der Forschung darüber,
2:17 wie wenig Bewegung wir uns leisten können,
2:20 damit uns das Sitzen nicht umbringt.
2:23 2022 veröffentlichte er eine kleine Studie mit einer tollen Idee.
2:27 Er stellte fest, dass nur fünf Minuten sanfte Bewegung alle 30 Minuten
2:31 erstaunliche Wirkung hatten.
2:33 Sie senkte Blutzucker und Blutdruck.
2:37 Laut einer anderen Studie können inaktive Menschen,
2:39 die täglich 30 Minuten Sitzen durch 30 Minuten Bewegung ersetzten,
2:43 das Risiko eines vorzeitigen Todes um 18 Prozent senken.
2:48 Vielleicht denken Sie:
2:49 „Ich habe heute Morgen trainiert, also bin ich fit.“
2:53 Oder vielleicht:
2:54 „Puh, ich bin so froh, dass ich ein Stehpult habe.“
2:58 Tut mir echt leid, aber nein.
3:02 (Lachen)
3:03 Wenn Sie die meiste Zeit Ihres Tages sitzen oder stehen,
3:08 ist auch Ihre Gesundheit in Gefahr.
3:11 „Hör nicht auf zu trainieren“, sagte Keith zu mir.
3:14 Doch man müsse die langen Phasen unterbrechen,
3:16 in denen man vor dem Bildschirm sitzt.
3:19 Ich darauf: „Wirklich?
3:20 Wie viel Unterschied machen Bewegungspausen für jemanden,
3:24 der relativ gesund ist?”
3:26 Ich beschloss, an der Studie teilzunehmen.
3:29 Also ging ich eines Tages in sein Labor
3:31 und arbeitete acht Stunden am Stück an meinem Laptop.
3:35 Am nächsten Tag machte ich
3:37 etwa jede halbe Stunde Bewegungspausen.
3:40 Sie überprüften meine Vitalfunktionen
3:42 und die Ergebnisse waren wirklich außergewöhnlich.
3:45 Mein Blutzuckerwert hatte sich fast halbiert.
3:48 Mein Blutdruck war um fünf Punkte gesunken
3:51 und ich hatte viel bessere Laune.
3:54 Die Fakten waren eindeutig.
3:57 Aber was hieß das schon, wenn niemand Bewegungspausen machen konnte?
4:01 Im Labor war es einfach.
4:03 Jemand klopfte mir auf die Schulter und führte mich zum Laufband.
4:06 Also beschlossen wir, Leute im wirklichen Leben zu fragen,
4:11 ob sie das machen könnten.
4:13 Wir, die Teams bei NPR und Columbia, erstellten einen Podcast
4:17 und eine globale klinische Studie namens Body Electric Study.
4:21 Über 20.000 Personen meldeten sich.
4:24 Wir mussten die Zahl auf 20.000 begrenzen.
4:27 Man konnte eine Bewegungs-Dosis wählen
4:29 und sich jede halbe Stunde fünf Minuten, jede Stunde fünf Minuten
4:32 oder alle zwei Stunden bewegen.
4:35 Man konnte zu Hause tanzen,
4:36 beim Telefonieren herumgehen,
4:38 mit dem Hund Gassi gehen, den Müll rausbringen,
4:40 ganz egal.
4:41 Man musste nur
4:42 die langen Sitzphasen unterbrechen.
4:46 Ich war so aufgeregt.
4:49 Ich dachte, wir würden eine Bewegung für Bewegung ins Leben rufen.
4:54 Ja, ich kann mit Worten umgehen.
4:56 (Lachen)
4:57 Aber ich will nicht lügen, die ersten paar Tage waren echt hart.
5:02 Es erfordert viel Willenskraft
5:04 und eine kleine Rebellion,
5:05 um eine Welt aus Bildschirmen und Stühlen auf den Kopf zu stellen.
5:11 Aber als es die Leute begriffen
5:13 und anfingen, Pausen einzubauen,
5:17 kamen die Durchbrüche.
5:18 Sie sagten, sie hätten weniger Schmerzen.
5:21 Sie sagten, sie hätten mehr Energie.
5:24 Sie sagten, sie fänden das Leben allgemein positiver.
5:28 Am Ende schafften es 80 Prozent von ihnen,
5:32 die Bewegungspausen zwei volle Wochen durchzuhalten.
5:35 Das war eine Selbststudie
5:38 mit vielen sehr motivierten Teilnehmern.
5:41 Hallo öffentlicher Rundfunk.
5:43 Die Daten zeigten,
5:45 dass sich die Teilnehmer umso besser fühlten,
5:47 je öfter sie Pausen einlegten.
5:49 Wer nach draußen ging, bekam einen Extraschub.
5:52 Manche verloren ein paar hartnäckige Pfunde,
5:55 und die meisten genossen diese Pausen.
5:59 Am überraschendsten war,
6:00 dass die Pausen der Produktivität nicht schadeten.
6:04 Die Leute sagten, sie hätten danach konzentriert gearbeitet
6:08 und das Gefühl gehabt, bessere Arbeit zu leisten.
6:12 Diese Forschung durchläuft gerade den wissenschaftlichen Prozess.
6:16 Doch Keith erklärte mir einige Gründe,
6:18 warum diese sanften Pausen eine so große Wirkung haben können.
6:22 Beim Sitzen
6:24 werden die Arterien an Hüften und Knien geknickt
6:27 wie ein Staubsaugerschlauch.
6:29 Das Blut sammelt sich in den Beinen
6:31 und die Muskeln ziehen sich nicht mehr zusammen.
6:34 Aber Beinmuskeln brauchen Bewegung, Stimulation,
6:37 um Fett und Zucker abzubauen und den Blutdruck zu senken.
6:41 Sonst können sich chronische Erkrankungen
6:44 über Monate und Jahre einschleichen.
6:47 Dann ist da noch die Körperhaltung.
6:49 Sitzen komprimiert das Zwerchfell.
6:52 Wir fangen an, flach zu atmen.
6:54 Dadurch gelangt weniger Sauerstoff ins Blut und ins Gehirn.
6:59 Bei weniger Sauerstoff im Gehirn werden wir müde und unkonzentriert.
7:03 Atmen Sie einfach tief durch, wenn Sie möchten.
7:07 Hier kommen Bildschirme ins Spiel.
7:10 Bildschirme können etwas namens Interozeption beeinträchtigen.
7:14 Das ist die Art und Weise, wie der Körper uns sagt, was er braucht:
7:18 einen Snack,
7:19 eine Toilette, Bewegung.
7:22 Je mehr wir am Bildschirm hängen,
7:24 desto weniger hören wir auf Körpersignale.
7:28 Der Körper könnte um eine Pause bitten,
7:31 aber was tun wir?
7:32 Wir scrollen weiter an der Angst vorbei,
7:35 an der Erschöpfung vorbei.
7:38 Das kann schließlich zum Burnout führen
7:41 und zu diesen chronischen Erkrankungen.
7:44 Wie können Sie also etwas ändern, um sich besser zu fühlen?
7:49 Denken Sie zuerst an die Zeiten, in denen Sie am meisten sitzen,
7:53 und machen Sie sich dann ein Mantra.
7:55 Als Student könnten Sie sagen:
7:57 „Ich drehe vor der Uni eine Extrarunde auf dem Quad,
8:00 statt TikTok zu checken,
8:02 damit ich mehr Sauerstoff im Gehirn habe und mich konzentrieren kann.“
8:07 Im Homeoffice könnten Sie bei langen Zoom-Sitzungen entscheiden:
8:10 „Ich laufe auf der Stelle, um den Blutzucker zu kontrollieren
8:14 und den Absturz nach dem Meeting zu vermeiden.“
8:16 Als Eltern könnten Sie sagen:
8:18 „Ich drehe eine Runde um das Fußballfeld,
8:20 damit ich genug Energie für das Chaos beim Abendessen habe.“
8:24 Sie können eine Runde tanzen, wenn die Mikrowelle die Reste aufwärmt.
8:28 Sie können durch die Halle gehen, statt im Sitzen auf den Flug zu warten.
8:33 Eine Mischung aus diesen Gewohnheiten
8:35 bringt die Muskeln in Schwung und stabilisiert die Stimmung.
8:39 Meine Lieblingsgeschichte
8:41 stammt von der 43-jährigen Dana aus der Personalabteilung.
8:44 Dana war eine Typ-2-Diabetikerin mit etlichen Gesundheitsproblemen.
8:48 Der Arzt verordnete ihr jeden Morgen einen langen, flotten Spaziergang,
8:52 aber ihre Werte änderten sich nicht.
8:55 Mit der Erlaubnis des Arztes nahm sie an der Studie teil.
8:58 Sie legte zwischen all ihren Meetings Bewegungspausen ein.
9:02 Innerhalb weniger Wochen
9:04 sank ihr Blutdruck um 40 Punkte,
9:07 sank ihr Cholesterinspiegel
9:09 und der Arzt erlaubte ihr, die Insulindosis zu reduzieren.
9:13 Sie kommt heute völlig ohne Medikamente aus.
9:16 Yay, wir lieben dich, Dana.
9:18 (Applaus)
9:20 Wir wissen also, dass zu viel Bildschirmzeit
9:23 nicht gut für die mentale Gesundheit ist.
9:25 Doch das betrifft nicht nur den Kopf, sondern auch den Körper.
9:30 Bewegung muss genauso Teil des Lebens sein wie der Bildschirm.
9:35 Schule, Wohnumgebung und Arbeitsplatz
9:38 müssen uns Zeit und Raum geben, um uns zu bewegen.
9:40 Auch Sie können diesen Neuanfang fördern.
9:44 Machen Sie Bewegungspausen.
9:46 Und wenn die Leute Sie komisch anschauen,
9:48 sagen Sie, warum Sie das tun:
9:50 weil Sie sich besser fühlen wollen.
9:52 Bitten Sie sie, das Handy wegzulegen und mitzumachen.
9:55 Fangen Sie bald an, fangen Sie klein an.
9:58 Sollen wir jetzt anfangen?
10:00 Ja, können wir etwas Musik haben?
10:03 Sie könnten ...
10:05 Sie könnten marschieren.
10:07 Sie könnten tänzeln.
10:10 Hände nach oben, wenn Sie nicht aufstehen können.
10:13 Fühlen Sie es.
10:14 Sie leben.
10:16 Sie leben.
10:27 Ich liebe Sie alle.
10:28 (Jubel und Applaus)